Die Presseschau

 

Sau K.T.: Exzentrisch untrendy: Die Kurpfalz-Weinstuben


Gastronomisch gibt es so gut wie nichts Exotisches mehr zu entdecken, außer vielleicht den Maden, die man andernorts ißt. Auf dem Adenauerplatz würde man dies allerdings nicht vermuten. Das gute alte Charlottenburg sitzt nachts alleine da und sinniert melancholisch über die vielen Verehrer von einst, die es für Glanz und Elend von Mitte verlassen haben.

Gerichte wie Saumagen und Kohlroulade sind das kulinarische Gegenstück zu Charlottenburg. Auch diese Klassiker der deutschen Küche sind in die düstere Ecke abgedriftet, wo alles abgestellt wird, was „out“ ist. Ganz versteckt im Hof hinter der Wunsch-Buchhandlung liegen die Kurpfalz-Weinstuben, eine gastronomische Insel aus der Zeit vor der ersten Pizzeria in Berlin. So bizarr es auch erscheinen mag – dies könnte die Keimzelle einer neuen Gastromode sein. Was hätte der verlorene Sohn schlußendlich anderes tun können als heimzukehren?

Der fehlende Sinn für Ironie vieler Berliner ist ein Grund dafür, warum diese Heimkehr so lange auf sich warten ließ. Dieser Sinn ist essentiell, um diese perfekte Verkörperung einer Pfälzer Weinstube und die Persönlichkeit ihres Wirts, Rainer Schulz, richtig schätzen zu können. In seinem vor kurzem veröffentlichten Roman Allerseelen beschreibt der niederländische Autor Cees Nooteboom eine typische Szene in den Kurpfalz-Weinstuben: „Jetzt kam, wußte Arthur, das Aufsagen der Gerichte. Herr Schultze hatte daraus ein kleines Theaterstück gemacht, das mit Ironie aufgeführt wurde... aus der kleinen Küche kamen altmodische Essensgerüche, die unter der niedrigen dunkeln Decke hängenblieben.“

Es ist jedoch eine gutmütige Ironie, die hier herrscht, keine bissige, wie die opulente Portion Saumagen  beweist: im Geschmack würzig und in der Konsistenz saftig, ein vollkommener Gegensatz zu der fetten, undefinierbaren Masse, die oft unter diesem Namen serviert wird. Das Sauerkraut darunter hat genau den richtigen säuerlichen Akzent und zeigt sich überraschend fein im Geschmack.

„Sau K.T.?“ fragt Schulz Stammgäste, wenn sie dieses Gericht bestellen. Das ist sein Geheimcode für die glasweise angebotenen Weine. Die sind auf einer großen Papptafel aufgelistet, deren Unhandlichkeit zum Charme des Ortes gehört. „Sau K.T. bezieht sich auf den 1997 Kallstadter Saumagen Riesling Kabinett trocken des Pfälzer Spitzenweinguts Koehler-Ruprecht, einem frischen, würzigen Wein und idealen Begleiter zu dem, was Noteboom „eine ehrliche Begegnung mit Schwester Sau“ nennt.

Der Wein wird in Römergläsern serviert, aber auf Wunsch bekommt man auch andere Gläser. Blut- und Leberwurst, Kohlroulade und Co sind alle ebenso original wie der Saumagen und gleichermaßen von Schulz gefertigt. Er beschränkt sich aber keinesfalls auf solche Pfälzer Klassiker, sondern bietet oft ähnlich substantielle französische Gerichte wie Cassoulet oder Merguez an. Stets vorhanden ist hervorragender Stilton-Käse (inklusive einem Gläschen Riesling Auslese).

Die Kurpfalz-Weinstuben widersetzen sich wie kein zweites Lokal in der Stadt kategorisch jeder Mode. Ihr exzentrischer Charme steht sechs Tage in der Woche zur Verfügung.

(Stuart Pigott in der Zitty Nr. 10/1999)

 


Deftiges zum Pfälzer Wein in der Hauptstadt


Um deftige Pfälzer Hausmannskost, das Flair einer alten Weinstube und ein Gespräch mit dem Patron zu genießen, braucht man von Berlin nicht mehr an den Rhein oder die Nahe zu reisen. Eine Busfahrt zum Adenauerplatz und ein paar Schritte genügen, um in den „Kurpfalz-Weinstuben“ (030/8836664) die Großstadt hinter sich zu lassen. Saumagen, Blutwurst mit Linsen oder Leberwurst mit Sauerkraut, alle für den großen Hunger, bieten die Grundlage, um sich daneben auch einer Pfälzer Weinprobe hinzugeben. Unter den mehr als drei Dutzend Schoppenweinen fällt es leicht, die passenden Begleiter zu finden, auch für den kleinen Appetit.

(Frankfurter Allgemeine Magazin vom 8. Mai 1998)

 


Nur keinen Nagel herausziehen!

Einzigartige Atmosphäre, gute Weine: Die Kurpfalz-Weinstuben


Ein Zeitsprung. So haben Weinstuben einmal ausgesehen, als sie noch nicht „Enoteca“ hießen. Knorrige Stühlchen, Holztäfelung kinnhoch an allen Wänden, Weinfässer obendrauf, seltsame Beleuchtungskörper mit Gnomen und Hexen, geschnitzt aus Rebwurzelholz. „Das bleibt auch so,“ sagt Rainer Schulz, der Wirt und Küchenchef dieser Zeitmaschine, „wenn ich hier auch nur einen Nagel von der Wand nehme, fällt das alles zusammen.“ 65 Jahre gibt es die „Kurpfalz-Weinstuben“ am Adenauerplatz, 25 Jahre stehen sie unter der Regie von Schulz, und er weist Veränderungspläne längst klug von sich. „Fangen wir mit den Stühlen an, kommt alles andere nach. Dann brauchen die Kellnerinnen lange Schürzen, die Tische müssen raus, die Preise steigen...“

Nein, das wird Schulz, inzwischen 61, nicht mehr riskieren. Da konzentriert er sich lieber auf den Wein, der zum Thema seines Lebens geworden ist, seit er 1975 mehr aus Zufall den Betrieb übernommen hat. Ursprünglich lagen die Gasträume direkt vorn an der Wilmersdorfer Straße, gegründet von Fleischermeister Müller aus Thüringen, der sich von seiner Pfälzer Frau inspirieren ließ und gegen die Übermacht der damals existierenden Pfälzer Weinstuben die „Kurpfälzer“ gründete. Offenbar hatte er einen guten Draht zu den Machthabern, die bei ihm ein- und ausgingen und dafür sorgten, daß der Betrieb auch nach einem verheerenden Bombenangriff im ursprünglichen Hinterhaus weitergehen konnte. 1949 durfte Müller wieder aufmachen; er starb 1958, und seine Frau setzte die Tradition fort. Schulz, ein gelernter Hotelkaufmann, der Ende der 60er aus Hamburg gekommen war, um die Gastronomie im „Bellevue-Tower“ zu übernehmen und dann eine eigene Kneipe zu führen, wagte den Sprung nach einem Jahr zäher Verhandlungen mit der betagten Witwe.

Die 70er waren harte Zeiten für den deutschen Wein. Klebrige Süßgetränke quollen aus den Kellereien, und die deutschen Fans flüchteten zu Edelzwicker, Blanc de Blancs und ähnlich säuerlichen Getränken, Hauptsache trocken. Doch schon die Witwe Müller hatte Kontakt zum berühmten Pfälzer Gut Koehler-Ruprecht, und Schulz knüpfte dort an. Bernd Philippi, der Chef des Gutes, zeigte ihm, welche Nachbarn ebenso wie er an Qualität festhielten. Fortan hatte er gute Weine, und heute hat er sie erst recht: „Philippi gibt mir Weine, die es sonst nicht gibt. Nirgendwo.“ Schon sein Angebot von Dutzenden offener Schoppen, überwiegend aus der Pfalz, ist in Berlin ohne Vergleich, umd im Keller liegen schätzungsweise 20 000 Flaschen von ungefähr tausend verschiedenen Weinen. Wie alle Kenner liebt er vor allem die gereiften Rieslinge und häuft Hohn und Spott auf die Modebewußten, die am liebsten schon jetzt den 2000er probieren würden – derlei Zeitgeistiges kommt ihm nicht mehr ins Glas. Dem Beaujolais Primeur hat er schon vor Jahren abgeschworen, und seit dem vergangenen Jahr gibt es auch keinen Federweißen mehr: „Überall dieses Geklebe, furchtbar!“ Gäste, die sich damit nicht abfinden wollen, bekommen seine charmante, hanseatisch gefärbte Strenge zu spüren. Der Mietvertrag für die Weinstube übrigens läuft bis 2006. Und dann? „Ach, auf zehn Jahre mehr hätte ich schon noch Lust.“

(Bernd Matthies im Tagesspiegel vom 11. August 2000)

 

 

 

Financial Times UK 

www.ft.com

Berlin restaurateurs mark their histories by Nicholas Lander

Veröffentlicht 8. Mai 2010

This month two Berlin restaurateurs are hosting dinners to mark significant landmarks in their respective histories. On May 31, Rainer Schulz will celebrate the 75th anniversary of Kurpfalz-Weinstuben in the west of the city. In the north-east, Roy Metzdorf will host a party for the 70th birthday of his father Dieter, who inspired him to open his restaurant, Weinstein, in 1993 and then underwrote the losses during its first decade.

The two hosts also have strong personal ties. Metzdorf describes Schulz as his mentor and says the elder man warned him about all the pitfalls of running a restaurant once Metzdorf had abandoned his initial career as an electrical engineer.

Schulz is an excellent physical advertisement for his profession. Now 71, he has been in charge of his restaurant for the past 35 years but still manages to combine great physical stamina with equal amounts of charm, greeting customers with a broad smile. Grey-haired, with a twinkle in his eye, he enjoys a passion for well-prepared German food and good wine from his well-stocked cellar.

It seems like Schulz has absorbed the calming aura of the building he has inhabited for so long. Built in 1898, it is basically a series of dark, panelled intimate rooms – although there is an outdoor terrace in the warmer months – with simple wooden furniture and historic memorabilia in every corner. It is the kind of setting that inspires comfort and good conversation.

A Berliner described Schulz’s fare as “the kind of food every German child grows up with, but it’s rarely as well cooked as this”. The restaurant is a magnet for Germans, lured by its comfort food, such as the ham it imports from south Tyrol, the venison brawn and sausage, home-made sauerkraut, and its excellent rendition of the haggis-like saumagen .

The wine list will attract any enthusiast. One simple card details the large range of wines available by the glass while a more formal wine list sets out the best from around the world and numerous, mature German wines from the most highly rated producers.

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nicholas.lander@ft.com

   

 

Futtern wie bei Muttern

 

Ob Bayer, Sachse oder Schwabe: In Berlin kann jeder so essen wie daheim. Regionale Küchen liegen im Trend


Seit mehr als 30 Jahren dabei: Rainer Schulz, Chef der Kurpfalz Weinstuben
Foto:Kai-Uwe Heinrich
Es gibt sie in allen Varianten. Vom urig-altmodischen Restaurant über die Kneipe mit Studentenflair bis zur ironisch-kitschigen Mitte-Bar ist in Berlin alles zu finden. Was sie eint: der mehr als deutliche Verweis auf die regionale Küche. Deutsches Essen ist angesagt, besonders gerne mit landsmannschaftlichem Hintergrund — in der Multi-Kulti-Hauptstadt noch mehr als an anderen Orten. Ob Bayer, Rheinländer, Sachse oder Thüringer — jeder kann in Berlin essen, wie er es von zu Hause gewohnt ist. 

„Es gibt unzählige Restaurants in Berlin, die um Gäste wetteifern. Da sucht sich natürlich jeder Wirt seine Nische“, sagt Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). „Und deutsche Küche ist in wie lange nicht.“ Nach Jahrzehnten, wo meist nur im Trend gewesen sei, was „international“ hieß, hätten viele inzwischen die Vorteile der heimischen Küche wieder zu schätzen gelernt. Diese habe sich dazu auch gar nicht groß verändert: „Meist schmeckt es doch so wie früher bei Muttern“, sagt Lengfelder. Selbst Sterne-Köche servierten inzwischen gerne Flusskrebs aus Brandenburg statt Fisch aus fernen Meeren. Auch Sonja Heimeier, Branchenkoordinatorin bei der Industrieund Handelskammer, beobachtet den Trend in Berlin. „Der Markt spiegelt die Vielfalt der Bewohner wider.“ 

Dass viele Berliner gerne Hausmannskost essen, merkt auch Rainer Schulz, Inhaber der „Kurpfalz Weinstuben“ am Adenauerplatz. „Das Landsmannschaftliche kommt hier langsam durch. Da bauen viele Wirte drauf.“ Die Spezialität des gebürtigen Hamburgers: Pfälzer Saumagen. Dafür hat auch schon einmal ein ehemaliger Kanzler bei ihm vorbeigeschaut. Fast könnte man denken, das 73 Jahre alte Restaurant ist die Karikatur einer Gaststätte aus dem Süden der Republik. Altmodische tomatenrote Geranien grüßen vor dem Eingang, drinnen ist es unter der tiefen Decke recht dunkel — aber urgemütlich. Geweihe, Ölschinken und Kupferstiche hängen an den Wänden der drei Räume, den Wein gibt es im Römer. „Wir verkaufen Ambiente“, sagt Schulz. Daher ist auch alles noch so wie bei der Vorbesitzerin. „Manche Gäste sagen, sie fühlen sich wie auf einer Zeitreise“, erzählt Bedienung Sabine Kunkel. Aber es sei nicht so, dass nur zugezogene Süddeutsche einkehren, sagt Schulz. „Zu uns kommen viele Berliner.“ Manche schauten auch einfach nur vorbei, weil der Schriftsteller Ces Nootebom die Gaststätte in seinem Roman „Allerseelen“ erwähnt hat. 

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Juliane Schäuble
Aus der Ausgabe 6/2008 berlin-maximal.de



Gunter Gabriel, Chicka-Boom und kein Saumagen

 

Es war wohl ein Fehler, Gunter Gabriel ausgerechnet in die Kurpfalz-Weinstuben einzuladen. Denn erstens bestellt er beim Hereinkommen ein alkoholfreies Weizenbier, was dem auf seine Weinkarte zu Recht stolzen Wirt Rainer Schulz eine schmerzhafte Grimasse übers Gesicht treibt.

 

Zweitens stellt sich später heraus, dass dem Sänger, der mit „Deutschland ist...“ ein schönes Loblied auf das typisch Deutsche geschrieben hat, Saumagen, die typisch deutsche Spezialität des Hauses, nicht so richtig schmeckt. (Ich verkneife mir also den Vorschlag, eine neue Version des patriotischen Schlagers mit dem Titel „Deutschland isst...“ aufzunehmen. So eine kulinarische Reise durchs Vaterland: „Deutschland isst Currywurst mit Pommes, Matjes mit Pellkartoffeln, Maultaschen“ und so weiter.)

 

Und drittens hat Gabriel aus dem Renaissance-Theater, wo er zurzeit die Hauptrolle in einem Stück über Johnny Cash spielt, eine Art Tross oder Entourage mitgebracht: seine Freundin, seinen Keyboarder, seinen Bodyguard, seinen Autohändler und einen befreundeten Fabrikanten aus dem Süddeutschen, die letzten beiden mitsamt Ehefrauen.


Seinen Blackberry legt Gabriel gleich auf den Tisch: „Der Volker“ – das ist Volker Kühn, der Autor des Stücks „Hello, I’m Johnny Cash“, das nach einer erfolgreichen Saison in Berlin mit Gabriel nach Hamburg und Köln weiterzieht – „ruft gleich an, er will noch vorbeischauen, und der Ilja Richter auch. Das macht dir nichts aus, oder?“ Was soll man sagen? Natürlich nicht, aber in der dezent altmodischen Atmosphäre des Lokals wirkt unsere lärmende, lustige Gesellschaft ein bisschen deplatziert. Andererseits gibt es das „Big Eden“ nicht mehr.

 

Ein originales Stück West-Berlin

Die Kurpfalz-Weinstuben sind ein originales Stück West-Berlin etwas abseits vom Kurfürstendamm. Man muss sie kennen, um sie zu finden, versteckt auf dem Hinterhof hinter einer Toreinfahrt. Das Interieur suggeriert mit dunkel gebeiztem Holz rustikale Gemütlichkeit, die Speisekarte ebenfalls: Neben Saumagen in verschiedenen Varianten gibt es Blut- und Leberwurst und Kohlrouladen, aber auch französische Merguez-Würste oder Cassoulet und zum Abschluss einen herrlich aromatischen englischen Stilton mit Portwein.

Cees Nooteboom hat in seinem Roman „Allerseelen“ beschrieben, wie Rainer Schulz aus dem „Aufsagen der Speisen ein kleines Theaterstück“ macht, „das mit Ironie aufgeführt“ wird. Der gelernte Hotelkaufmann Schulz, inzwischen 72 Jahre alt, hat das im Dritten Reich gegründete Lokal 1975 übernommen, als man in Berlin noch Lambrusco aus Literflaschen trank, Chianti „Tschianti“ aussprach und einen trockenen Riesling mit einem „Boah, is det ’n saueret Zeuch“ ablehnte.

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Ein Song für die B-Seite

Dass allerdings in Gabriels Aufzählung der Dinge, die zu Deutschland gehören, auch „Goethes Haus in Weimar, das Porzellan aus Meißen, die Fischer aus Schwerin“ gehörten, passte zwar auch zu Brandt, der in Erfurt von den DDR-Bürgern gefeiert wurde, und mehr noch zu Helmut Kohl, aber nicht zum Zeitgeist. „Die Plattengesellschaft sagte: Muss das sein mit Goethes Haus? Aber dann ließen sie’s drauf, weil der Song sowieso nur die B-Seite war von ‚Ich tanze nie mehr eng‘.“

B-Seite – ein Begriff aus einer untergegangenen, noch nicht digitalisierten Welt, so weit weg wie die ewige Kanzlerschaft Kohls, der bei seinen Berlin-Besuchen zuweilen in den Kurpfalz-Weinstuben einkehrte. „Er aß immer das Gleiche. Nicht Saumagen, sondern Leberkäse mit Spiegelei“, erinnert sich Schulz. „Die Speisekarte wollte er nie sehen, Vorschläge wollte er nicht hören. Er wusste immer genau, was er wollte.“

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Raconteur und Bühnen-Sponti

„Hello, I’m Johnny Cash“ mag da eher wie ein Rückschritt aussehen, schließlich begann Gabriel seine Karriere als „der deutsche Johnny Cash“. Er meint aber, dass ihm, dem Raconteur und Bühnen-Sponti, die Disziplin der Proben, des Auswendiglernens und der Auftritte gut getan habe. Und der Erfolg des Stückes beschert ihm ein regelmäßiges Einkommen und dadurch die Freiheit, sich um neue Projekte zu kümmern. Gabriel setzt gerade an, davon zu erzählen, da bringt Schulz das Essen.

Henryk M. Broder hat neulich den Saumagen zu einer bedrohten Spezies erklärt, die zuletzt „auf einem Wochenmarkt bei Pirmasens“ gesichtet worden sei. Aber er lebt und gedeiht in Berlin-Charlottenburg.

 

Gabriel bestellt dann doch Wein

Schulz erklärt das Rezept: Man nehme einen sorgfältig gereinigten Saumagen, der mit Wurstbrät, Schweinemett, Zwiebeln, gewürfeltem Schweinenacken und gewürfelten blanchierten Kartoffeln, Eiern und reichlich Majoran, Salz und Pfeffer gefüllt und gut verschlossen wird. Dann kommt der Saumagen vier Stunden bei 80 Grad in den Kessel, danach wird er in kaltem Wasser abgekühlt und anschließend anderthalb bis zwei Stunden bei mittlerer Hitze in der Röhre gebraten, in Scheiben geschnitten, und mit Sauerkraut und dunklem Brot serviert.

 

 

Alan Posener in "Die Welt" 05.07.2011

http://www.welt.de/kultur/musik/article13466952/Gunter-Gabriel-Chicka-Boom-und-kein-Saumagen.html